Promotionsprojekt

Projekttitel: Natur, Kultur und Aktivismus: Eine kulturökologische Analyse umwelt-engagierter Literatur aus Island und Norwegen
Betreuer: PD Dr. Thomas Fechner-Smarsly
(Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)
Abstract: Trägt Literatur zur Schaffung von Umweltbewusstsein und zur Lösung ökologischer Probleme bei? Durch welche inhaltlichen und funktionalen Merkmale zeichnen sich umwelt-engagierte literarische Texte aus? Auf welche umweltethischen Argumente greifen derartige Texte zurück? In welchem Verhältnis stehen sie zu zeitgenössischen Umweltbewegungen und deren ökologischen Ideen? Und schließlich: Welche Bedeutung kommt in solchen Texten den Ebenen des Lokalen, des Nationalen und des Globalen zu?

Zur Beantwortung dieser Fragen verwende ich einen Ansatz, der drei Teilgebiete der so genannten environmental humanities miteinander verbindet. Dies ist einerseits ein Bereich der Literatur- und Kulturwissenschaften, der sich mit Umweltfragen befasst und für den mittlerweile die Bezeichnung ecocriticism etabliert ist. Hinzu kommt die Umweltgeschichte, die vergangene Umweltbedingungen und Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur, aber auch die Geschichte natur- und umweltbezogener Ideen sowie die von Umweltbewegungen erforscht. Der dritte Bereich ist die Umweltethik, deren Theorien eine differenzierte Analyse des umweltethischen Argumentationsraums auch literarischer Texte ermöglichen. Methodisch folge ich einem als ‘kulturelle Ökologie’ bezeichneten Modell von Hubert Zapf, dem zufolge literarische Texte auf funktioneller Ebene eine triadische Struktur aufweisen: Sie fungieren als kulturkritischer Metadiskurs, imaginativer Gegendiskurs und als reintegrativer Interdiskurs. Dieses Modell verbinde ich mit einer von Georg Bollenbeck erarbeiteten, inhaltlich neutralen Definition von Kulturkritik. Hiervon ausgehend wird eine nähere Bestimmung der Merkmale umwelt-engagierter Literatur sowie eine umfassende Berücksichtigung des jeweiligen historischen und kulturellen Kontexts derartiger literarischer Texte möglich. Die Kontrastierung isländischer und norwegischer umwelt-engagierter Literatur zeigt dabei, dass die Wahrnehmung von Umweltfragen in hohem Maße kulturell geprägt ist und dass insbesondere Auffassungen nationaler Identität in diesem Zusammenhang große Bedeutung zukommt.

Als Quellen verwende ich Texte von jeweils fünf isländischen und norwegischen Autoren aus der Zeit von 1970 bis zum Jahr 2013. Die isländischen Texte sind Halldór Laxness’ Essay „Hernaðurinn gegn landinu“ („Der Krieg gegen das Land“, 1970), Svava Jakobsdóttirs Roman Gunnlaðar saga („Die Geschichte von Gunnlöð“, 1986), Jón Kalman Stefánssons Romantrilogie Skurðir í rigningu („Gräben im Regen“, 1996), Sumarið bakvið brekkuna („Der Sommer hinter dem Hügel“, 1997) und Birtan á fjöllunum („Das Licht auf den Bergen“, 1999), Andri Snær Magnasons nicht näher kategorisierbares Buch Draumalandið. Sjálfshjálparbók handa hræddri þjóð („Traumland. Ein Selbsthilfebuch für eine verängstigte Nation“, 2006) und Oddný Eir Ævarsdóttirs Tagebuchroman Jarðnæði („Grundbesitz“, 2011). Die Texte aus Norwegen sind Erik Dammanns essayistisches Buch Fremtiden i våre hender („Die Zukunft in unseren Händen“, 1972), Knut Faldbakkens zweiteiliger Roman Uår – Aftenlandet („Unjahre – Das Abendland“, 1974) und Uår – Sweetwater („Unjahre – Sweetwater“, 1976), Sidsel Mørcks Dokumentarromane Stumtjenere („Stummer Diener“, 1978) und Ikke til salgs! („Nicht zu verkaufen!“, 1983), Gert Nygårdshaugs Romane Mengele Zoo (1989) und Chimera („Schimäre“, 2011) sowie Jostein Gaarders Jugendroman Anna. En fabel om klodens klima og miljø („Anna. Eine Fabel über das Klima und die Umwelt des Planeten“, 2013).

Förderung: Das Projekt wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung mit einem Promotionsstipendium gefördert.
Status: Die Arbeit wurde im Januar 2014 an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn eingereicht und mit der Note ‘sehr gut’ (1,0) bewertet. Die mündliche Prüfung (Rigorosum) fand am 23.04.2014 statt. Die Promotionsleistungen wurden insgesamt mit ‘magna cum laude’ (0,6) bewertet. Die Dissertation wurde im Oktober 2014 unter dem Titel Umwelt-engagierte Literatur aus Island und Norwegen. Ein interdisziplinärer Beitrag zu den environmental humanities in der Reihe Texte und Untersuchungen zur Germanistik und Skandinavistik veröffentlicht.
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